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Fortsetzung: Wende.

Gutgelaunt kam ich bei ihr an und konnte es kaum abwarten, ihr zu erzaehlen, wie ueberraschend gut es mir in Hessen ergangen war. Wie schon halbwegs erwaehnt hatte ich 2 kg zugenommen, musste kaum Konflikte austragen, war sogar mutig genug gewesen, ein paar von Bastis Freunden kennenzulernen, war am selben Tag davor Fahrrad gefahren (große Ueberwindung: Angst gehabt, es nicht zu schaffen, da ich ein Jahr keinen Sport gemacht habe), was mir gut getan hatte, etc. Es gab keinen Punkt, an dem ich mich nach Hause sehnte, wo ich mich zu schwach fuer alles fuehlte ... Allgemein litt ich selten unter Schmerzen, schlechtem Schlaf oder Muedigkeit. Alles war einfach wunderbar gelaufen, auch wenn ich den ersten Versuch, jemanden kennenzulernen, abbrach, ich hatte ja immerhin den zweiten erfolgreich gemeistert!

Nun saß ich vor ihr, begann gerade mit meinen Aufzaehlungen, da unterbrach sie mich. Ich hatte einen negativen Aspekt uebersehen, war mir ueber seine Tragweite nicht im Klaren gewesen. Wie denn auch? Ich kannte es nie anders, war und handelte immer so, weil mir etwas anderes einfach nicht moeglich war.

Es war fuer mich persoenlich nur ein kleiner innerer Konflikt, den ich jedoch ueberstanden hatte, wenn auch nicht geloest, zumindest ueberstanden!

Sie sah es ganz anders und hatte Recht. Nach Schilderung dieses Konflikts bot sie ein Rollenspiel an. Ich haette nie geglaubt, dass es so schwierig werden wuerde, mir deutlich zu machen, dass dies keine ernste Situation war, in der ich meine inneren Verbote zu brechen hatte.
Innere Verbote - darum dreht sich alles.
Und selbst im Rollenspiel schaffte ich es nicht, sie zu brechen. Alleine das Aushalten der Konfrontation mit dieser Siutation, begleitet von dem Druck, dass ich nun aufgefordert war, mich anders zu verhalten (meine Verbote zu ueberwinden), strengte an, ließ meinen ganzen Koerper erstarren, mich schwitzen, meine Wangen und Lippen zittern, verwirrte, erdrueckte und zerschlug mich.

Eine kleine nichtige Situation, von der ich bisher nie gemerkt hatte, wie sehr sie mein Leben, meine Gefuehle beeintraechtigt.

Gescheitert. Kann es nie aendern. Bin eingeschraenkt. Werde nie gefuehlsmaeßig frei leben koennen.
Gedankenfetzen meinerseits zerstoerten mir das letzte bisschen gute Laune, die Gluecksgefuehle an die Erinnerungen der letzten Tage.

Sie bemerkte meine Anspannung, wurde sich nun auch ueber die Tragweite bewusst, beendete das letzte Rollenspiel, ohne auf mein "Stop" zu warten. Sie wusste, dass ich nicht in der Lage war, weder das Rollenspiel auszufuehren, noch es zu beenden. Nicht nein sagen, nicht abbrechen aufgrund des eigenen Befindens, nicht fluechten. Starr dort sitzen, es ertragen, hinnehmen, Unterdrueckung spueren. Unterdrueckung. Tut weh, engt die Lungen ein, nimmt Atem und Kraft.

Ich sollte mich entspannen, irgendetwas tun, um die Gefuehle, die mich gerade durchfluteten loszuwerden. Ich sollte durch den Raum gehen und konnte nur vom Sofa bis zum gegenuebergelegenen Sessel laufen, setzte mich dorthinein. Ich sollte tief durchatmen, einfach entspannen. Ich sagte ihr ehrlich, dass mich so eine Situation erst verlaesst, wenn ich vollstaendig aus ihr heraus und allein oder unter tiefst vertrauten Personen bin. Sie ahnte es. Sie wusste, dass ich nicht beobachtet werden wollte, es mich unsicher machte, anspannte, wenn ich angesehen werden koennte, mich nur fallen lassen kann, wenn ich weiß, dass es keinen Grund gibt, davor Angst haben zu muessen - also schloss sie die Augen. Es war trotzdem komisch. Ich atmete tief durch, das Zittern nahm etwas ab, jedoch nicht ganz. Als sie wieder aufsah, kam alles wieder zurueck und ich saß so verkrampft da, wie noch nie zuvor. Allgemein der Tag, diese Situation hatte mich veraendert, eingeengt, unsicher, verletzlich und aengstlich gemacht. Ich wurde an einer Stelle geoeffnet, die immer verschlossen gewesen war. Ich wurde enttarnt, durchschaut, kennengelernt - meine schlechten Seiten, schwachen Seiten. Die, die niemand jemals sehen sollte.

Als ich die Praxis verließ, bemerkte mein Freund, der im Auto neben meinem Opa auf mich wartete, sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich wollte nicht reden. Ich wollte nur seine Hand fuehlen, die Augen schließen, atmen. Nach einigen Minuten konnte ich es ihm erklaeren. Zuhause brauchte ich erst einmal seine Naehe, kuschelte mich an ihn, wollte an nichts anderes mehr denken, außer an meine Gefuehle zu ihm, die Verbundenheit, die ich zu ihm habe. Nur fuehlen, nicht denken.

10.10.07 19:26
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Claudia / Website (11.10.07 09:19)
Hätte auf die Fortsetzung warten sollen....jetzt gelesen, weiß ich gar nicht, was ich schreiben soll...Bist du sicher, dass die Therapieansätze richtig sind? Wo bleibt der Aufbau in solch einer Sitzung, sollte es nicht immer positiv abschließen, als dich in diesem Gefühlschaos zu entlassen? Kenne mich da aber zu wenig aus. Ich selber hatte zwar auch schon Gesprächstherapie, diese gingen aber nie so tief, dass ich hinterher schlechter dran war als vor der Stunde....konnte selber sehr viel für mich klären.....Aber diese Dinge sind ja immer sehr verwurzelt und brauchen viel Zeit. Wünsche dir viel Mut diese Wege zu gehen.

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